Welchen historischen Hintergrund hat die Sage des Hundefräuleins auf der Schallaburg? Was könnte die wahre Geschichte hinter dem geheimnisvollen Hundefräulein sein? Das Dunkelsteinerwald.net Team hat sich auf die Suche gemacht und den Loosdorfer Historiker und Heimatforscher Dr. Gerhard Flossmann interviewt und dabei mögliche Erklärungen zu sammeln versucht.
Die zugrundeliegende Version des Sagenstoffes mit dem Titel “Der Hund auf der Schallaburg” stammt vom Sagenforscher Prof. Leander Petzoldt von der Universität Innsbruck und ist in dem Buch “Sagen aus Niederösterreich” im Jahr 1992 erschienen. Zur besseren Unterscheidung haben wir den Sagentext (schwarz), unsere Fragen (blau) sowie die Antworten von Dr. Floßmann (rot) farblich unterschiedlich gestaltet.
Dunkelsteinerwald.net: Vielen Dank, Dr. Floßmann für die Beantwortung unserer Anfrage. Was gab Ihrer Meinung nach den Anlass zur Entstehung dieser Ursprungssage? Dr. Floßmann: Diese Sage wird meines Wissens nach stets „Das Hundefräulein auf der Schallaburg“ genannt. Sie bezieht sich auf die Büste eines Hundekopfes mit einer eindeutigen Kopfbedeckung für Frauen auf dem Arkadengang im großen Hof. Die Sage wird stets mit dieser Büste in Verbindung gebracht.
“Auf Schallaburg hausten zwei Brüder aus dem Geschlechte der Losensteiner, die sich so hassten, daß sie nicht einmal unter einem Dache wohnen wollten.” Dunkelsteinerwald.net: In welche Epoche ist diese Sage zu datieren? Gab es diese zerstrittenen Brüder wirklich? Wenn ja, was ist der Hintergrund dafür? Dr. Floßmann: Falls die Sage tatsächlich mit der Büste in Verbindung steht, dann geht sie auf die Zeit vor die Errichtung des Arkadenganges, also auf die Zeit vor etwa die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Zerstrittenen Familienmitglieder unter den losensteinischen und zelkingischen Besitzern können festgestellt werden. Das Zerwürfnis war aber nie so groß, dass daraus ein „Hass“ herausgelesen werden könnte.
“Da baute sich der Jüngere seine eigene Burg in der Nähe der Stammburg, deren Reste noch zu erkennen sind. ” Dunkelsteinerwald.net: Gab es diese Burg wirklich? Wenn ja, waren deren Reste zu sehen? Wenn nein, welche zu sehenden Reste wurden dieser Zweitburg zugeordnet? Dr. Floßmann: Die ruinösen Wirtschaftsgebäude außerhalb des eigentlichen Schlosses, am Zugang neben dem Turnierhof, werden immer wieder als „Neues Schloss“ bezeichnet. Von den Schlössern, Festungsanlagen und Ruinen der Umgebung kommt keines/keine als Bau des neuen sagenhaften Schlosses in Frage.
“Doch auch dies war dem älteren Bruder nicht recht. Er erschlug ihn im Zweikampfe…” Dunkelsteinerwald.net: Gab es diesen Mord wirklich? Dr. Floßmann: Es gibt in der gesamten Besitz- und Herrschaftsgeschichte der Schallaburg keine Quelle, die auf einen Brudermord hindeuten könnte. Man muss dies als „sagenhafte“ Ausschmückung sehen.
“…und man errichtete dem Gemordeten das rote Kreuz, das noch heute im Tale erhalten ist.” Dunkelsteinerwald.net: Gibt oder gab es dieses rote Kreuz im Tale wirklich? Wenn ja, entsprang es auch diesem Zweck? Dr. Floßmann: Dieses „Rote Kreuz“ gibt es tatsächlich an der Kreuzung der Straßen Schrattenbruck-Merkendorf und Roggendorf-Anzendorf. Rote Kreuze gibt es in der Tradition in der gesamten Region, deren Entstehung und Bedeutung ist nicht geklärt, es gibt eine Reihe von Meinungen, keine jedoch sagt aus, dass ein Rotes Kreuz auf Grund eines Mordes errichtet wurde.
“Der Mörder, von Gewissenbissen geplagt begann ein wildes Jagdleben und streifte mit seinen sieben Hunden Tag und Nacht durch den Wald. Eines Tages kam er zu keinem Schuß.” Dunkelsteinerwald.net: Gab einen jagdlich umtriebigen Losensteiner, dem dies zugesprochen werden konnte? Dr. Floßmann: Es gibt keine Hinweise auf einen über das Maß des üblichen adeligen Jagdvergnügens hinausgehenden Jagdbesessenen auf der Schallaburg.
“Darob war er sehr aufgebracht und da traf es sich, daß er auf dem Heimweg an dem roten Kreuz vorüberging. Vor Wut, daß ihm das Marterl seine Schandtat in Erinnerung gebracht hatte, jagte er dem Gekreuzigten eine Kugel in die Brust mit den verächtlichen Worten: „Aber dich treffe ich heute bestimmt!“ Aus dem Kreuze ließ sich ein Schrei vernehmen, ein Gewitter brach plötzlich los und entwurzelte selbst die stärksten Bäume.” Dunkelsteinerwald.net: Ich nehme an, dass es hierfür keinen Beleg gibt, oder? Dr. Floßmann: Dies kann natürlich nicht belegt und quellenmäßig bestätigt werden.
“Vor Entsetzen eilte der sündige Mann der Burg zu, und da erfuhr er, daß seine Frau soeben ein Kind mit Hundskopf und Hundspfoten gebar.”
Lesen Sie im zweiten Teil unserer Geschichte und den Rest des Interviews mit dem Historiker Dr. Floßmann und den möglichen Hintergründen, die zur Entstehung dieser Sage geführt haben können. Teil 2 lesen.
Wie gestern in der Tageszeitung Heute bekannt wurde, sind bei den Renovierungsarbeiten der Schallaburg Mauerreste entdeckt worden, die eine Rückdatierung der Entstehungszeit notwendig machen.
Wir werden uns damit in den nächsten Wochen näher befassen und planen auch ein Experten-Interview zu diesem Thema. Bleiben Sie uns treu!
Kurz vor Weihnachten wollen wir die Schallaburg-Geister Berichterstattung für heuer ruhen lassen und dem p.t. Leser mit den versprochenen Videos der API-Crew zur Unterhaltung oder zur wohlwollenden Analyse überlassen.
Teil 2: “Zwischenfälle” Das API-Team schreibt dazu: “Die Folgeuntersuchung auf der Schallaburg wurde anfangs belächelt. Doch schnell zeigte sich das Gegenteil. Viele Zwischenfälle prägten die Nacht.”
Teil 3: “Showdown” Das API-Team schreibt dazu: “Die Nacht im Gerichtsstöckl der Schallaburg wurde immer turbolenter. Wo nichts erahnt wurde, bemerkte man schon schnell, dass wir in Bewegung gehalten wurden.”
Pünktlich zur Weihnachtszeit flackert das Thema “Geister auf der Schallburg” wieder auf. Waren es im Herbst noch das Team von “Ghostscene”, so wagt nun die Truppe der “Austrian Paranormal Investigators” einen wohlgetimten Anlauf um uns mit neuen Sichtung der Schallaburg’schen Geistwesen zu überraschen.
Nachdem heute.at in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember die Berichterstattung begonnen hat, wollen wir Ihnen deren Bericht sowie die Videos dazu nicht vorenthalten.
Teil 1: “Vorahnungslos”
Das API-Team schreibt dazu: “API erneut auf der Schallaburg. Erwartet wurde nichts. Doch die Nacht brachte viele Überraschungen.”
Die restlichen zwei Videos finden Sie dieses Wochenende wieder hier auf unserer Webseite.
Wir haben uns eingehender mit der Sage des “Hundefräuleins” befasst und uns gefragt, was der Auslöser für die Sage über dieses geheimnisvolle Wesen sein könnte. Daher haben wir den Loosdorfer Historiker und Heimatforscher Dr. Gerhard Floßmann befragt und sind im zweiten Teil unseres interessanten Interviews mit ihm auf eine interessanten Erkärungsansatz gestossen.
Der zweite Teil der Sage lautet wie folgt:
„Vor Entsetzen eilte der sündige Mann der Burg zu, und da erfuhr er, daß seine Frau soeben ein Kind mit Hundskopf und Hundspfoten gebar. Er rannte wieder aus der Burg, verlor sich im stürmischen Wetter und ward nicht mehr gesehen. ”
Bild des Hundefräuleins in den Arkaden der Schallaburg in NÖ (Foto: Helmut Lackinger, Quelle: www.austriatourism.com)
“Nach Jahren hieß es, dass Jäger eine unheimliche Gestalt mit sieben Hunden in den Rauhnächten oft durch den Wald streifen gesehen hätten. Über die Mißgeburt wird berichtet, daß sie von hündischer Wildheit war und an einer silbernen Kette in einem Gemache gefangen gehalten wurde. Sie starb 32 Jahre alt. Nach einer anderen Überlieferung soll die Mißgeburt ein Fräulein gewesen sein.„ Dunkelsteinerwald.net: Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte für diese oder eine andere Missgeburt in diesem Geschlecht? Dr. Floßmann: Dass das missgestaltete Kind ein Mädchen war, ist vermutlich mit der schon oben genannte Büste auf dem Arkadengang zu erklären. Nach den mir bekannten Überlieferungen soll das Mädchjen mit 23 (!) Jahren gestorben sein.
„Damit die arme Hundsfrau etwas Zerstreuung habe, wurden die Schlösser Schallaburg, Sichtenberg und Soos unterirdisch verbunden.“ Dunkelsteinerwald.net: Gibt es auch nur annähernd Hinweise für einen Versuch einer Verbindung dieser Art? Die Fama von den unterirdischen Gängen zwischen Gebäuden ist ja häufig, oder? Dr. Floßmann: Es gibt kaum ein Schloss in Österreich, das nicht durch unterirdische Gänge mit den Nachbarschlössern verbunden sein soll. Alle Versuche, den sagenhaften Gang zur Ruine Sichtenberg zu finden oder logisch zu erklären, sind misslungen.
„Sie wanderte von einem Schloß zum anderen und wurde selten gesehen. So kam es, dass man nicht wusste, wann die Hundsfrau gestorben ist. Erscheint ihr Geist auf Schallaburg, so stirbt innerhalb dreier Tagen ein Burgbewohner.“
Vergleich der Darstellung des Hundefräuleins und Fällen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (“Wolfsrachen”)
Dunkelsteinerwald.net: Die ganze Sage legte ja den Grundstein für die Erklärung des Hundekopfes in den Arkaden der Schallaburg. Welche anderen Erklärungen gibt es dafür? Dr. Floßmann: Die Erklärung dürfte ziemlich einfach sein: Das Kind/Mädchen hatte einen ausgeprägten Wolfsrachen. Ich habe diese Erklärung gefunden, als mir mein Zahnarzt (und Kieferchirurg) Bilder von dieser Missbildung gezeigt hat. Ob und wann dieses Kind auf der Schallaburg lebte, ist aus den vorhandenen Quellen zur Geschichte der Schallaburg nicht zu klären.
Die zugrundeliegende Version des hier diskutierten Sagenstoffes mit dem Titel “Der Hund auf der Schallaburg” stammt vom Sagenforscher Prof. Leander Petzoldt und ist in der hier diskutierten Version dem Buch “Sagen aus Niederösterreich” entnommen, das im Jahr 1992 erschienen ist.
Aufgrund der großen Nachfrage wollen wie hier noch die Pressemeldungen des heutigen Tages zur “Geisterjagd” auf der Schallaburg bringen und Sie noch einmal auf unsere historisch-kritische Sagenanalyse hinweisen.
Artikel in der Tageszeitung “Österreich” vom 22.9.2008
Artikel in der Tageszeitung “Kurier” (Online-Version) vom 22.9.2008
Schon vor einigen Monaten, als die Geisterjagd auf der Schallaburg (Link) in allen Regionalmedien verteten war, haben die Geisterjäger verkündet der Schallaburg einen erneuten Besuch abzustatten, um diesmal Jagd auf das Hundefräulein zu machen. Die Ausgabe der Tageszeitung “Heute” berichtet darüber wie folgt:
Für ganz Neugierige haben wir hier auch das Video parat, das die Geisterjäger bei ihrer Investigation auf der Schallaburg zeigt.
Geisterjagd auf der Schallaburg (Dauer: 7:43 min), Quelle: youtube.com
Während die Phänomenologie und die direkte Begegnung mit Geistern und Gespenstern nicht so ganz im Fokus unseres Interesses liegen, aber wir Ihnen und uns die Teilnahme an diesem Ereignis nicht verwehren wollen, verdient der zugrundeliegende Sagenstoff weitaus mehr Zuwendung, weshalb wir uns mit der Sage weitaus intensiver befasst haben. Lesen Sie dazu unseren Artikel über “Das Geheimnis des Hundefräuleins auf der Schallaburg (Teil 1)”