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Weihnachten – vom Kult zum Superstar wider Willen

Tuesday, December 8th, 2009

Für die einen ein Reizwort, für die anderen der Höhepunkt des Jahres, spaltet Weihnachten die Gemüter der modernen Gesellschaft im 21. Jahrhundert wie kein anderes Ereignis im Jahreslauf. Abseits des „Big Business“  sind dabei die historischen Wurzeln der Zeit rund um das heutige Weihnachten, deren Ursprung schon auf die vorchristliche Zeit zurückreicht, interessant.

Das höchste Fest des Jahres – wenn auch unfreiwillig
Betrachtet man Weihnachten als “Höhepunkt” des Jahres oder gar als wichtigstes kirchliches Fest, so kommt dieses Fest eher unfreiwillig zu dieser Ehre. Wenn auch Weihnachten als das Geburtsfest des Erlösers Jesus Christus gefeiert, stammt dennoch der Kern des christlichen Glaubens aus den dem österlichen Geschehen – also dem Tod und der Wiederauferstehung Jesu.

Nichtsdestotrotz ist die „ gesellschaftliche Größe“ von Weihnachten mit keinem theologischen Argument schmälerbar, da mit der Zeit rund um den kürzesten Tag des Jahres neben der kirchlichen Bedeutung auch immer noch vorreligiöse Reste mitschwingen. Zwar könnte man die vorreligiösen Aspekte der Osterzeit ins Treffen bringen – dennoch ist Weihnachten das in unseren Breiten mit mehr Aufwand gefeierte Fest.

Authentisches BrauchtumZwischen Kult und Religion
Irgendwo angesiedelt zwischen den Ur-Formen und den modernen Wegen, das Weihnachtsfest zu begehen, ist dabei das zum Großteil schon verlorengegangene Brauchtum in der Kernregion Niederösterreichs, der Region Dunkelsteinerwald, als Forschungsobjekt hochinteressant, da das Brauchtum unserer Region im Vergleich zu anderen Gegenden aufgrund seines hohen Grades an Authentizität viele Aspekte noch unverfälscht in sich trägt.

Alte Rituale und moderner „Zauber“ – alles eins?
Betrachtet man zum Beispiel die rituell-magischen Aspekte der sogenannten Rauhnächte zwischen dem 21. Dezember, der Thomasnacht, und dem 6. Jänner, so kommt man auf das sogenannte Lösseln in der längsten Nacht des Jahres, der sogenannten Thomasnacht. Dies diente dazu, die Zukunft zu beeinflussen und wurde mit dem Ritual des „Bettstaffeltretens“ und dem Aufsagen eines bestimmten Spruches benutzt, um sich (s)einen Liebsten herbeizuzaubern.

In der Thomasnacht stellt sich eine Frau nach Mitternacht nackt mit dem Rücken zur Zimmertüre, die sie zuvor geöffnet hat. Während sie den Spruch: “Bettstaffel ich tritt dich, Heiliger Thomas ich bitt dich, lass mir erscheinen – den künftigen Meinen” murmelt, geht sie von der Türe in Richtung Bett, wo ein Spiegel aufgestellt ist, in dem sie nun das Gesicht ihres Zukünftigen sehen sollte. (Quelle: steiermark.at)

Ob es sich um die populären ‚Bestellungen ans Universum‘ [ein Buchtitel] oder um das Lösseln handelt, beides sind Ausprägungen eines rituell-magischen Denkens – einmal im modernen Gewand und einmal in traditioneller Form. Auch in den regionalen Sagenschatz hat die Weihnachtszeit Eingang gefunden, wie die „Sage der drei Schwestern“ oder „Die Toten in der Christmette“ beweisen. Diesen Sagen wollen wir uns im Rahmen der Weihnachtszeit jedoch noch genauer widmen.