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“Der prophetische Körper” – Volksglaube in der Region Dunkelsteinerwald (Teil 1)

Wednesday, May 26th, 2010

Was soll es bedeuten, wenn einem die rechte Hand juckt? Welche Bedeutung wurde früher körperlichen Vorgängen zugesprochen? Wie kann dies aus heutiger Sicht betrachtet werden?

Aufgrund vieler Anfragen wollen wir uns in einer neuen Beitragsserie mit dem Volksglauben der Menschen in der Region Dunkelsteinerwald beschäftigen. Den Anfang macht dabei ein Faksimile-Ausschnitt eines Beitrages von P. Romuald Richard Julius Pramberger im Jahresbericht des Stiftes Melk aus dem Jahr 1961. Dieser trägt den Titel “Sagen und Mythen aus dem Donauländchen”.

Dabei beschäftigt sich der Heimatkundler mit dem Bereich Mythen und hier mit dem Thema
“Mythen an Leblosem”.

Mythen an Leblosen - Glaube an Körperteile - (c) Jahresbericht Stift Melk, 1961
Viele dieser Sprüche sind dabei vor allem älteren Menschen noch wohlbekannt und werden gerne noch im Spasshaften verwendet. Welche Funktionen übten solche “Volksmythen” aus und wie können diese erklärt werden.

“Der prophetische Körper” – Versuch einer psychodynamischen Interpretation
Aus heutiger Sicht kann man diese als erweiterte phänomenologische Interpretation von Körpervorgängen betrachten. Prinzipiell gehen diese Erklärungsversuche von Ereignissen mit relativer Seltenheit aus, deren Eintreten als unüblich, unerwartet wahrgenommen wird und im Sinne einer Beladung mit einer prophetischen Bedeutung als sinnhaftes Ereignis (um)interpretiert wurde.

Die dahinterliegenden Erklärungsschemata entsprechen dabei intuitiv-assoziativen Ereignissen im Rahmen des Befürchteten oder Erwünschten. Implizit verborgen ist dahinter die Annahme, dass der eigene Körper und zukünftige Ereignisse verknüpft sein können und sich kommende Ereignisse in der Form von Vorzeichen im eigenen Körper ankündigen. Dies weckt einerseits Erwartungen beim Betroffenen, hat aber auch zur Folge, dass die Menge und Wahrscheinlichkeit unerwarteter Ereignisse zum Zwecke einer verringerten Unsicherheit wirksam werden.

Welches Ohr klingt?
Von besonderem Interesse ist dabei der Glaube, der auch unter dem Namen “Welches Ohr klingt?” bekannt ist und durch die Notwendigkeit der Interaktion von 2 Personen eine soziale Funktion erfüllt und gleichzeitig den unterhaltsamen Zweck eines Ratespiels erfüllt, dessen Ausgang entweder dem Betroffenen oder dem Ratenden zukünftiges Glück bringen wird beziehungsweise soll.