Der “Zeno-Code” – Spuren eines Heiligen im Dunkelsteinerwald
Sunday, May 2nd, 2010Wer ist eigentlich dieser Zeno aus Mauretanien – dem gemeinhin unbekannt – in der Gegend um Hafnerbach und Wimpassing nach Hunderten von Jahren noch immer eine lebhafte Verehrung zuteil wird? Es ist der Hl. Zeno von Verona, der um 372 zum Bischof von Verona gewählt wurde und über den sich lebhafte Legende ranken. Sowohl das Leben wie auch die Legenden werden wir nach und nach beleuchten. Als Ausgangspunkt für unsere Spurensuche an 10 europäischen Orten soll uns zu Beginn die Zenostatue von Hafnerbach dienen, die wir hier genauer betrachten wollen.
Der “Zeno-Code”
Weitere Ansichten der Zeno-Statue von Hafnerbach:
Von besonderem Interesse ist der auf den Sockel der Statue gemeißelte Spruch, der in Latein wie folgt lautet: „AD HONORANDA DIVI ZENONIS VESTIGIA VISIBILITER RELICTA – HAEC STATVA SVPER HANC PETRAM INTER DEBITAS VENERATIONES POSITA FVIT“. Frei übersetzt lautet der Spruch wie folgt: „Zu Ehren des Hl. Zeno, der seine Spuren sichtbar hinterlassen hat, wurde dieses Standbild über diesem Stein zur gebührenden Verehrung aufgestellt.“ Das Besondere daran ist, dass dieser Spruch ein sogenanntes Chronogramm enthält und damit einen versteckten Hinweis auf das Jahr seiner Errichtung gibt.
Chronogramme – versteckte Botschaften von hoher Kunstfertigkeit
Ein Chronogramm ist ein Satz, meist in lateinischer Sprache, bei der alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (das sind also I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht. Die Zahlensymbole sind hierbei meist hervorgehoben – in diesem Fall durch eine größere Schrift. In diesem Fall ist es ein doppeltes Chronogramm, da sich die Summe der groß geschriebenen Zahlensymbole zweimal den Wert „1725“ ergibt. Dies ist also der „Zeno-Code“, sprich die im Text kodierte Information, die das Jahr der Errichtung widerspiegelt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Chronogramme früher weit verbreitet waren. Eines der „neuesten“ Chronogramme (obwohl die Wendung natürlich schon länger verwendet wird) entstand anlässlich der Wahl von Papst Benedikt XVI., nämlich „habeMVs papaM“, was in dieser Schreibweise und bei entsprechender Interpretation den Zahlenwert 2005 ergibt. Wenn man die Zahlenwerte der hervorgehobenen Buchstaben zusammenzählt, ergibt sich daher das Jahr der Wahl des Papstes.
Ihre große Zeit erlebten die Chronogramme in der Barockzeit. Auch in der Pfarrkirche in Melk ist zum Beispiel ein solches Chronogramm zu finden, dass sich auf das Jahr eines großes Hochwasser bezieht. Die lateinische Sprache eignet sich hierbei besonders für solche Chronogramme, wobei die Kunst der Gestaltung darin besteht, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden, die gleichzeitig die zu kodierende Information, sprich: Jahreszahl, beinhalten.








































