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Das “Geheimnis des Hundefräuleins” auf der Schallaburg (Teil 2)

Tuesday, September 23rd, 2008

Wir haben uns eingehender mit der Sage des “Hundefräuleins” befasst und uns gefragt, was der Auslöser für die Sage über dieses geheimnisvolle Wesen sein könnte. Daher haben wir den Loosdorfer Historiker und Heimatforscher Dr. Gerhard Floßmann befragt und sind im zweiten Teil unseres interessanten Interviews mit ihm auf eine interessanten Erkärungsansatz gestossen.

Der zweite Teil der Sage lautet wie folgt:
„Vor Entsetzen eilte der sündige Mann der Burg zu, und da erfuhr er, daß seine Frau soeben ein Kind mit Hundskopf und Hundspfoten gebar. Er rannte wieder aus der Burg, verlor sich im stürmischen Wetter und ward nicht mehr gesehen. ”

Hundekopf in den Arkaden der Schallaburg - (c) Helmut Lackinger, Quelle: www.austriatourism.com
Bild des Hundefräuleins in den Arkaden der Schallaburg in NÖ
(Foto: Helmut Lackinger, Quelle: www.austriatourism.com)

“Nach Jahren hieß es, dass Jäger eine unheimliche Gestalt mit sieben Hunden in den Rauhnächten oft durch den Wald streifen gesehen hätten. Über die Mißgeburt wird berichtet, daß sie von hündischer Wildheit war und an einer silbernen Kette in einem Gemache gefangen gehalten wurde. Sie starb 32 Jahre alt. Nach einer anderen Überlieferung soll die Mißgeburt ein Fräulein gewesen sein.„
Dunkelsteinerwald.net: Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte für diese oder eine andere Missgeburt in diesem Geschlecht?
Dr. Floßmann:  Dass das missgestaltete Kind ein Mädchen war, ist vermutlich mit der schon oben genannte Büste auf dem Arkadengang zu erklären. Nach den mir bekannten Überlieferungen soll das Mädchjen mit 23 (!) Jahren gestorben sein.

„Damit die arme Hundsfrau etwas Zerstreuung habe, wurden die Schlösser Schallaburg, Sichtenberg und Soos unterirdisch verbunden.“
Dunkelsteinerwald.net: Gibt es auch nur annähernd Hinweise für einen Versuch einer Verbindung dieser Art? Die Fama von den unterirdischen Gängen zwischen Gebäuden ist ja häufig, oder?
Dr. Floßmann: Es gibt kaum ein Schloss in Österreich, das nicht durch unterirdische Gänge mit den Nachbarschlössern verbunden sein soll. Alle Versuche, den sagenhaften Gang zur Ruine Sichtenberg zu finden oder logisch zu erklären, sind misslungen.

„Sie wanderte von einem Schloß zum anderen und wurde selten gesehen. So kam es, dass man nicht wusste, wann die Hundsfrau gestorben ist. Erscheint ihr Geist auf Schallaburg, so stirbt innerhalb dreier Tagen ein Burgbewohner.“

Vergleich Sagenbild Hundefräulein - Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (\
Vergleich der Darstellung des Hundefräuleins und Fällen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (“Wolfsrachen”)

Dunkelsteinerwald.net: Die ganze Sage legte ja den Grundstein für die Erklärung des Hundekopfes in den Arkaden der Schallaburg. Welche anderen Erklärungen gibt es dafür?

Dr. Floßmann:  Die Erklärung dürfte ziemlich einfach sein: Das Kind/Mädchen hatte einen ausgeprägten Wolfsrachen. Ich habe diese Erklärung gefunden, als mir mein Zahnarzt (und Kieferchirurg) Bilder von dieser Missbildung gezeigt hat. Ob und wann dieses Kind auf der Schallaburg lebte, ist aus den vorhandenen Quellen zur Geschichte der Schallaburg nicht zu klären.

Die zugrundeliegende Version des hier diskutierten Sagenstoffes mit dem Titel “Der Hund auf der Schallaburg” stammt vom Sagenforscher Prof. Leander Petzoldt und ist in der hier diskutierten Version dem Buch “Sagen aus Niederösterreich” entnommen, das im Jahr 1992 erschienen ist.

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Dr. Floßmann: “Das “Geheimnis des Hundefräuleins” auf der Schallaburg (Teil 1)

Die Geisterjagd auf der Schallaburg geht weiter (Teil 2)

Monday, September 22nd, 2008

Aufgrund der großen Nachfrage wollen wie hier noch die Pressemeldungen des heutigen Tages zur “Geisterjagd” auf der Schallaburg bringen und Sie noch einmal auf unsere historisch-kritische Sagenanalyse hinweisen.

Artikel in der Tageszeitung “Österreich” vom 22.9.2008

Geisterjagd auf der Schallaburg - (c) Österreich - 22.9.2008

Artikel in der Tageszeitung “Kurier” (Online-Version) vom 22.9.2008

Geist-reich - (c) Kurier - 22.9.2008