Ein faszinierender und zugleich sehr vielschichtiger Aspekt der langen Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe, der wir uns natürlich noch ausführlicher widmen wollen, ist die Entstehung und Verwendung von speziellen Ausdrücken, die sich über lange Zeit entwickelt hat. Was früher nur unter dem Begriff “Sitzenthalerisch” (benannt nach einem an dem sich Mitglieder dieser Volksgruppe niedergelassen haben) bekannt war, ist heute etwas mehr korrekt unter der Bezeichnung “Jenischer Dialekt” oder “Das Jenische” geläufig.
Diese aus verschiedenen Sprachen entlehnten Termini haben natürlich auch das Interesse von Sprachwissenschaftlern und Heimatforschern geweckt. Allen voran sei hier Franz Jansky genannt, der sich hier in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat.
Von der Geheimsprache zur Kultsprache
Was früher nur die sprachliche Eigenheit der Mitglieder ausgemacht hat, hat vor allem in den letzen Jahrzehnten auch unter die Sprache der Jugendlichen im Raum Loosdorf stark beeinflusst und identitätsgebend gewirkt. Begriffe, die in 10 Kilometer Enfernung von Loosdorf von manchen Jugendlichen nicht mehr verstanden werden, sind im Raum um Loosdorf richtiggehend zu Kultausdrücken avanciert.
Das hier von uns zur Verfügung gestellte Jenisch Wörterbuch (beginnend mit dem Teil 1 von A bis G) befindet sich nunmehr seit über 10 Jahren in unserem Archiv und kann leider nicht mehr direkt einem Urheber zugeordnet werden. Wir gehen aber aus, dass es sich hier um die zur damaligen Zeit online verfügbaren Version des Jenisch-Wörterbuches von Franz Jansky (seine Publikation zu diesem Thema: Noppi Gadschi – Jenisch Baaln, Jenisch in Loosdorf, 1991) aus Loosdorf handelt.
Wir haben für Sie den keltischen Steinkreis von Geyersberg besucht. Dieser Steinkreis im Dunkelsteinerwald (Niederösterreich) ist die masstabgestreue Nachbildung eines keltischen Steinkreises, wie es auch Stonehenge war. Keltische Kultplätze werden auch Nemeton genannt, wobei ihre genaue Bedeutung nicht restlos geklärt ist.
Heutzutage werden diese Orte von vielen Menschen auch als Kraftort angesehen und besucht. Dieser Steinkreis wurde 1989 von Prof. Wilhelm Cerveny errichtet und kann ganzjährig besucht werden. Wir werden uns dem Steinkreis in einem unserer nächsten Beiträge noch ausführlicher widmen. Prof. Cerveny ist auch der Autor des Buches “Der Dunkelsteinerwald – Mosaik einer Landschaft” – einem Buch, das wir schon einmal näher betrachtet haben. Erhältlich ist dieses Buch unter anderem bei der ARGE Dunkelsteinerwald.
Der zweite Teil des hier wiedergegebenen Artikels stammt von Manfred Wieninger und ist im EXTRA Lexikon der Wiener Zeitung am Freitag, den 10. September 2004 erstmals erschienen.
“Denn die tiefe Abneigung, ja der Hass der Obrigkeiten auf die umherziehenden und damit der staatlichen Kontrolle kaum zu unterziehenden Jenischen ist keine Erfindung der NS-Ära. 1857 etwa richtete das k. k. Bezirksamt Melk eine Denkschrift an die “hohe Staatsverwaltung” und forderte darin nichts weniger als die Auflösung der damaligen Pfarrgemeinde Sitzenthal bei Loosdorf und die Vertreibung ihrer jenischen Bewohner: “Der Existenz dieser lebensunfähigen Gemeinde Sitzenthal in ihrerjetzigen Gestaltung [ist] ein Ende zu machen. Wenn an der Stelle dieser beinahe heidnischen Vagabundenhorde das Dorf von wenigen, aber fleißigen Arbeiter-Familien bewohnt wäre, welche reichlichen Erwerb fänden, so würde dieses Dorf statt einer Landplage eine Wohltat für unsere an fleißigen Handarbeitern ohnedies großen Mangel leidende Gegend (sein).”
Jenische im Jahr 1928 in der Schweiz – (c) Wikipedia
Dieses Dokument des Hasses – das 1865 in den “Blättern für Landeskunde von Nieder-Oesterreich” publiziert worden ist, was als Zustimmung maßgeblicher Schichten zu den wüsten Ausführungen der beamteten Autoren gedeutet werden kann – richtete sich mit aller Schärfe gegen die heutige Loosdorfer Katastralgemeinde Sitzenthal: “Das Dorf zählt 21, größtentheils elende Hütten und Häuser, und außer den paar Quadratklaftern Grund, worauf dieselben erbaut sind, gehört dazu auch nicht das kleinste Stück Hausgrundbesitz. Dennoch kann man, so unglaublich dies scheinen mag, die jeweilig anwesende Bevölkerung von Sitzenthal auf beinahe 200 Seelen annehmen, während die Zahl der in diese Gemeinde zuständigen, welche aber wegen des vagabundierenden Lebens derselben schwer zu eruieren ist, gegen 600 Köpfe betragen soll.”
“Schwer zu eruieren” für die Obrigkeit blieben die Jenischen bis heute, misstrauisch gegen die Gadschi, die Nicht-Jenischen, die nie auch nur das geringste Verständnis für die Mühen eines Leben auf der Landstraße aufbringen konnten. Auch die in gesicherter, bürgerlicher Existenz lebenden, in der geschützten Werkstätte ihres Bezirksamtes werkenden Melker Juristen hatten für die gänzlich andere Lebensform nur Verachtung und Verleumdung übrig: “(. . .) fast die ganze Bevölkerung besteht aus herumziehenden Strazzensammlern, ein Geschäft, welches ziemlich einträglich sein könnte. Da diese Leute jedoch von Kindheit an, an ein müßiges Vagabundenleben gewöhnt sind, so betreiben sie auch dieses Geschäft nur so lange, bis sie etwas Geld verdient haben, womit sie dann nach Hause zurückkehren, und sich, so lange das Geld reicht, der gränzenlosesten Faulheit überlassen.” Im Übrigen dürfte mit dem mühseligen Sammeln von Lumpen noch keiner wirklich wohlhabend geworden sein, einträglicher war der gehobene Verwaltungsdienst in einer Bezirkshauptmannschaft allemal.
Zwangsmaßnahmen
Gingen die NS-Behörden gegen die Jenischen vor allem auf der Basis ihrer verworrenen und pseudowissenschaftlichen Rassenlehre vor, so schützte die k. k. Obrigkeit vor allem religiös-moralische Argumente vor, um Zwangsmaßnahmen gegen die jenischen Untertanen ergreifen zu können: “Wie der Herr Pfarrer von Loosdorf als Seelsorger bezeugen kann, ist in Sitzenthal die Zahl unehelicher Kinder bei weitem überwiegend, Konkubinate gibt es bei weitem mehr als Ehen, ja es gibt mehrere Beispiele von 2 bis 3 unehelichen Generationen. Dabei kommen häufig blutschänderische Verhältnisse in den nächsten Verwandschaftsgraden vor. Die meist unehelichen Kinder werden von ihren lüderlichen Eltern von Geburt an in der Welt herumgeschleppt; von Schul- und Kirchenbesuch oder von Religionsunterricht ist fast durchgehends keine Rede. In gänzlicher Unwissenheit, unter den empörendsten Beispielen von Roheit und Unsittlichkeit wachsen diese Kinder auf, und werden von ihren Eltern bloß in Betteln und Stelen unterrichtet.”
Entdeckt im Archiv der Wiener-Zeitung wollen wir Ihnen die Geschichte der Jenischen in 3 Teilen etwas näherbringen. Der hier zitierte Artikel stammt von Manfred Wieninger und ist im EXTRA Lexikon der Wiener Zeitung am Freitag, den 10. September 2004 erstmals erschienen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Artikelserie “Die Sprache der Jenischen – ein kleines Wörterbuch”.
“Franz K., Gemeindebediensteter im niederösterreichischen Loosdorf, hatte sein Erweckungserlebnis als Jenischer bei einem Urlaub in Oberitalien. Auf einem Straßenmarkt in einer Kleinstadt kam er mit einem italienischen Händler ins Gespräch. Erst nach einer Viertelstunde intensiver Verhandlungen und durchaus gelungener Kommunikation stellte Franz K. mit einigem Erstaunen fest, dass er ja kein Wort Italienisch könne und sein Gesprächspartner kein Deutsch.
Bild: Jenische um 1900 in der Ostschweiz – (c) Wikimedia Commons
Trotzdem hatte die Verständigung ganz prächtig geklappt, ohne dass man Hände oder Füße, also Gestik und Pantomimik, hätte zu Hilfe nehmen müssen. Der Grund für diesen überraschenden Kommunikationserfolg: Der Loosdorfer hatte einfach mehr oder weniger automatisch Wörter und Wendungen benützt, die er in seiner Kindheit von seinen Großeltern gehört und bis dahin für eine Art von spleenigen Loosdorfer Dialekt gehalten hatte – und war seltsamerweise verstanden worden. Die weithin unbekannte und an keiner Schule, keiner Universität gelehrte Weltsprache “Jenisch”, europäische Lingua franca der Fahrenden seit dem späten Mittelalter, hatte sich wieder einmal bewährt.
Der Hass der Obrigkeiten
In aller Öffentlichkeit “Jenisch zu baaln” – also Jenisch zu sprechen -, hätte Franz K. vor sechs Jahrzehnten noch nach Auschwitz oder in ein anderes Konzentrationslager bringen können. Als angebliche “Asoziale”, “verwahrloste Jugendliche” “Zigeunermischlinge” oder “Kriminelle” gerieten nämlich in der NS-Zeit viele Jenische in die Fänge des braunen Terrorapparates, etwa des “Kriminalbiologischen Institutes der Sicherheitspolizei im Reichssicherheitshauptamt”, und hatten mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Nicht nur wegen der brutalen Verfolgung im SS-Staat sind die Nachkommen der Jenischen, deren Zahl allein in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich auf einige Hunderttausend geschätzt wird, Meister der Mimikry, der bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Unauffälligkeit, ja der Tarnung inmitten einer Gesellschaft, die ihren Vorfahren Jahrhunderte lang eher unfreundlich gesonnnen war. Denn die tiefe Abneigung, ja der Hass der Obrigkeiten auf die umherziehenden und damit der staatlichen Kontrolle kaum zu unterziehenden Jenischen ist keine Erfindung der NS-Ära…
Die vom Dorfverein Gerolding herausgegebenen Wanderwege eignen sich sehr gut einen Einblick in die Region Dunkelsteinerwald zu bekommen. Der dritte von insgesamt 4 Wegen ist der Hohenwarter Höh Rundwanderweg und ist der zweitlängste der Wege.
Jeder Wege ist durch ein Tiersymbol und eine Farbe gekennzeichnet und der Ausgangspunkt ist der Ort Gerolding.
Der Hohenwarter Höh Rundwanderweg Länge: 7,4 km, Dauer: 2 Stunden, Start; Gerolding, Farbe: Grün, Symbol: Reh
Der Folder des Dorfvereins, aus dem wir zitieren, beschreibt diesen Weg wie folgt: “Vorbei am Halterberg führt er in schattigen Wäldern durch die Brunngrossn und Hartgrub zur Hohenwarther Höh. Weiter geht es über den Prügelweg ins Raintal. Mit etwas Glück können Sie entlang dieses Weges sogar Schwammerl finden. Entlang des Bachs führt Sie der Weg zurück nach Gerolding.”
In unserer insgesamt vierteiligen Serie rund um die vom Dorfverein Gerolding herausgegebenen Wanderwege wollen wir Ihnen heute – passend zur Jahreszeit – einen zweiten und etwas kürzeren Weg vorstellen, der nur etwas mehr als ein Drittel der Strecke des bereits geschilderten Panoramawegs umfasst.
Wie Sie ja möglicherweise schon wissen, ist jeder der vier Wege ist gut beschildert und durch ein Tiersymbol und eine Farbe gekennzeichnet. Der heutige “Hohes Kreuz Rundwanderweg” bildet dabei keine Ausnahme. Ausgangspunkt ist natürlich wie immer Gerolding.
Der Folder des Dorfvereins, aus dem wir zitieren, beschreibt diesen Weg wie folgt:
Hohes Kreuz Rundwanderweg Länge: 4,7 Kilometer, Dauer: ca. 1,5 Stunden, Start: Gerolding, Farbe: Blau, Symbol: Hase “Folgen Sie der blauen Beschilderung ins schattige Raintal bis der Weg rechts abzweigt und in einer kleinen Steigung in die „Buch‘n“ führt. Ein Stück die Landstrasse bergauf biegen Sie links ab zum “Hohen Kreuz“. Zwei Bänke laden hier zur Rast ein und lassen unseren Blick über das vom Ötscher beherrschte Alpenvorland. schweifen. Nach lohnender Rast wenden wir uns nach rechts dem Ort Nölling zu, von dort ist es nicht mehr weit zum Ausgangspunkt Ihrer Wanderung.”
Wir werden Ihnen in den nächsten Monaten bis zum Ende des Jahres die restlichen Wanderwege rund um Gerolding vorstellen – seien Sie gespannt.
Wer ist eigentlich dieser Zeno aus Mauretanien – dem gemeinhin unbekannt – in der Gegend um Hafnerbach und Wimpassing nach Hunderten von Jahren noch immer eine lebhafte Verehrung zuteil wird? Es ist der Hl. Zeno von Verona, der um 372 zum Bischof von Verona gewählt wurde und über den sich lebhafte Legende ranken. Sowohl das Leben wie auch die Legenden werden wir nach und nach beleuchten. Als Ausgangspunkt für unsere Spurensuche an 10 europäischen Orten soll uns zu Beginn die Zenostatue von Hafnerbach dienen, die wir hier genauer betrachten wollen.
Der “Zeno-Code”
Weitere Ansichten der Zeno-Statue von Hafnerbach:
Von besonderem Interesse ist der auf den Sockel der Statue gemeißelte Spruch, der in Latein wie folgt lautet: „AD HONORANDA DIVI ZENONIS VESTIGIA VISIBILITER RELICTA – HAEC STATVA SVPER HANC PETRAM INTER DEBITAS VENERATIONES POSITA FVIT“. Frei übersetzt lautet der Spruch wie folgt: „Zu Ehren des Hl. Zeno, der seine Spuren sichtbar hinterlassen hat, wurde dieses Standbild über diesem Stein zur gebührenden Verehrung aufgestellt.“ Das Besondere daran ist, dass dieser Spruch ein sogenanntes Chronogramm enthält und damit einen versteckten Hinweis auf das Jahr seiner Errichtung gibt.
Chronogramme – versteckte Botschaften von hoher Kunstfertigkeit
Ein Chronogramm ist ein Satz, meist in lateinischer Sprache, bei der alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (das sind also I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht. Die Zahlensymbole sind hierbei meist hervorgehoben – in diesem Fall durch eine größere Schrift. In diesem Fall ist es ein doppeltes Chronogramm, da sich die Summe der groß geschriebenen Zahlensymbole zweimal den Wert „1725“ ergibt. Dies ist also der „Zeno-Code“, sprich die im Text kodierte Information, die das Jahr der Errichtung widerspiegelt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Chronogramme früher weit verbreitet waren. Eines der „neuesten“ Chronogramme (obwohl die Wendung natürlich schon länger verwendet wird) entstand anlässlich der Wahl von Papst Benedikt XVI., nämlich „habeMVs papaM“, was in dieser Schreibweise und bei entsprechender Interpretation den Zahlenwert 2005 ergibt. Wenn man die Zahlenwerte der hervorgehobenen Buchstaben zusammenzählt, ergibt sich daher das Jahr der Wahl des Papstes.
Ihre große Zeit erlebten die Chronogramme in der Barockzeit. Auch in der Pfarrkirche in Melk ist zum Beispiel ein solches Chronogramm zu finden, dass sich auf das Jahr eines großes Hochwasser bezieht. Die lateinische Sprache eignet sich hierbei besonders für solche Chronogramme, wobei die Kunst der Gestaltung darin besteht, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden, die gleichzeitig die zu kodierende Information, sprich: Jahreszahl, beinhalten.