Der heilige Severin im Dunkelsteinerwald (II)

March 1st, 2012

mit freundlicher Genehmigung des Heimatforschers August Pachschwöll (Neidling)

Was enthüllt die „Vita s. Severini“?

In Kapitel IV der Vita ist die Rede von Beute suchenden / plündernden Barbaren, die römische Bürger vor den Toren Favianis überfielen und Mensch und Weidetiere als Beute fortführten. Man kam zu Severin und klagte unter Tränen über das widerfahrene Unglück. Da die feindliche Horde zu übermächtig gewesen war, verweigerten die paar Soldaten aus Favianis jedes Nachstellen der Räuber. Erst als Severin den Seinen mit Hilfe Gottes den Sieg voraussagte, jedoch verlangte, dass keiner der Gegner getötet werden dürfe, kam es zu einer Verfolgung des räuberischen Haufens.

Sie holten die Ganoven ein. Dies geschah oberhalb eines Baches (rivum) der „Tiguntia“ hieß, und zwar „beim zweiten Meilenstein“ (von Favianis aus). Das heißt, die von Meilensteinen besetzte Straße trifft auf den Bach „Tiguntia“! Die historische Forschung hat ergeben, dass hier die Fladnitz gemeint ist, die bei Karlstetten entspringt und Richtung Mautern fließt. Der zweite Meilenstein befand sich etwa 3 Kilometer von Mautern entfernt und ist bei Furth / Steinaweg, unterhalb Göttweig, zu vermuten.

Wie Severin vorausgesehen hatte, gelang den Seinen tatsächlich der Sieg. Viele Waffen wurden erbeutet. Wer von den Räubern nicht fliehen konnte, wurde gefangengenommen und zu Severin geführt. Der Heilige ließ den Gefangenen die Fessel abnehmen und mit Speis und Trank laben. Nach eindringlichen Ermahnungen ließ Severin die Räuber schließlich wieder frei, jedoch mit der Auflage, römisches Land nicht mehr zu betreten.

Der Weg des Rückzuges der „plündernden Barbaren“ lässt vermuten, dass diese in unserer Gegend wohnten (weshalb sie auch mein Wohlwollen genießen). Es erscheint dem Schreiber dieser Zeilen etwas eigenartig, dass bei dem Angriff der Soldaten aus Favianis sie einfach ihre Waffen liegenließen und flohen. Kampferprobt sieht anders aus. Vielleicht waren es gar einfache Bauern, die gezwungen waren in die Wälder zu gehen, wo sie Räuberbanden bildeten um noch immer besser lebten zu können als auf ihrem Hof, wo sie sich abrackerten um dann von durchziehenden Horden ausgeplündert oder erschlagen zu werden. Indirekt verweist auch die Vita auf die Not der Räuber, da ihnen – entgegen der Gepflogenheit – zuerst mal Speis und Trank gereicht wurde. Es erhebt sich bei diesen Überlegungen nun die Frage, ob die „Barbaren“ etwa gar in der versteckten Wallanlage (Türkenschanze) bei der Bildföhre siedelten?

Bei einiger Phantasie lässt sich noch heute gut vorstellen, dass die Geländestruktur und der Wall eine erfolgreiche Abwehr gewährleistete und somit die Gefahr minimiert wurde, einfach überrannt zu werden.
In Favianis und im Kreise seiner Mönche verstarb Severin im Jahre 482. Eugippius nennt den 8. Januar als Todestag. Den eigenen Todestag wie auch die Umsiedlung von Norikum durch Abzug der Einwohner soll er vorausgesagt haben. Der von ihm gegründete Konvent schloss sich dann einem Zug über die Alpen an und siedelte samt den Gebeinen Severins nach Italien über. Zu diesem Zweck wurden die Gebeine des Heiligen geborgen. Eugippius schreibt, der Leichnam sei sechs Jahre nach seiner ersten Beisetzung unverwest und vollkommen erhalten gewesen und habe geduftet, obwohl er nicht einbalsamiert war.

Neuer Standort der Gemeinschaft wurde Kastell Lucullanum bei Neapel. Wie Eugippius berichtet, erfolgte die Beisetzung mit Erlaubnis des Papstes. Wer nun glaubt, dass der Heilige Severin seine letzte Ruhestätte gefunden hat, der irrt. Severin, im Leben und noch im Tode ein ruheloser Wanderer, hatte nun durch den Einfall von Sarazenen zu leiden. Das Kastell Lucullanum wurde aufgelassen und der Heilige nach Neapel verlegt (10.September 902). Auch diese Bleibe währte nicht ewig: Das Kloster in Neapel ist während der napoleonischen Herrschaft säkularisiert worden (und beherbergt jetzt das Staatsarchiv). Die Gebeine wurden am 29. Mai 1807 gehoben. Und hier bestätigte sich die Worte des Eugippius in der Vita: Das Haupt Severins „war ganz unversehrt, einige Knochen, die man als Reliquien entnommen hatte, fehlten“. Seit dieser Zeit (1807) liegen die Gebeine Severins in der Pfarrkirche von Frattamaggiore (etwa 30 km nördlich von Neapel).

Abzug der römischen Provinzialen mit der Leiche des Hl. Severin - Wikipedia: CC-Lizenz

Es ist Ironie des Schicksals. Die Ruhe des Heilige Severin ist trügerisch. So informiert die „Berliner Zeitung“ vom 02.06.2003 seine Leser (Sie können diesen Artikel auch „googeln“):

„FRATTAMAGGIORE, 1. Juni. Reliquien sind ein wenig aus der Mode gekommen. Die seligen Zeiten, als Banken Kredite mit den Knochen von Heiligen absichern ließen, sind vorbei, auch die Verehrung der Reliquien lässt nach. Am vergangenen Wochenende aber feierte die Gemeinde Frattamaggiore nahe Neapel einen kuriosen Tausch. Die Spielbank Casino Austria International hatte für die Reliquienschreine der beiden im örtlichen Dom aufbewahrten Heiligen Sossio und Severin eine neue Vitrine gespendet. Im Gegenzug kehrt ein wenig der sterblichen Überreste der Heiligkeit nach Österreich zurück, nach Tulln, wo Severin einst wirkte……“

August Pachschwöll

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  1. Der heilige Severin im Dunkelsteinerwald (I)

Der heilige Severin im Dunkelsteinerwald (I)

February 14th, 2012

mit freundlicher Genehmigung des Heimatforschers August Pachschwöll (Neidling)

Wir gehen weit in das Dunkel der Zeit zurück…

Genau vor 1530 Jahren, am 8. Jänner 482, verstarb im Kloster Favianis, unserem heutigen Mautern, der Heilige Severin. Der „Apostel von Norikum“, wie Severin auch genannt wurde, wirkte in jenen stürmischen Tagen, als die Römerherrschaft an der Donau zusammenbrach und die wir heute „Völkerwanderung“ nennen.

Als Helfer in der Not kann der Heiligen für unsere Region nicht groß genug gewertet werden, leistete er der bedrängten Bevölkerung Halt und Hilfe und es gelang ihm fast drei Jahrzehnte lang, von 455 – 482, die Völkerwanderung der Germanen von der Provinz Norikum fernzuhalten.

Severin von Noricum (um_1470) - aus: Wikipedia, CC-Lizenz

Severin von Noricum (um_1470) - aus: Wikipedia, CC-Lizenz

Den Blick auf die für uns dunkle Vergangenheit gibt die „Vita sancti Serverini“, die Lebensbeschreibung des Heiligen. Sein Schüler und Mitbruder Eugippius hatte die Lebensbeschreibung nach der Räumung Norikums im Kloster Lucullanum bei Neapel im Jahre 511 vollendet. Das Werk (die „Vita s. Severini“) steht für österreichische Verhältnisse allein in weitem Raum und ist somit ziemlich einzigartig. Es wird nicht nur vom Leben des Heiligen berichtet sondern auch vom Leben des einfachen Menschen. Um Schutz vor Überfällen und Plünderungen zu haben, hatten sich die Reste der römischen Bevölkerung in die befestigten Kastelle zurückgezogen. Vor den Mauern lagen ihre Getreidefelder, Viehweiden und Weingärten. Alles übrige Land lag brach. So war zum Beispiel der Bauernhof bei Watzelsdorf ( „villa rustica“ ) längst verlassen.

Die Handelsbeziehungen zum römischen Mutterland waren noch intakt und man verwendete in Favianis – in den Jahren um 480 – noch immer Olivenöl aus Italien zum Kochen. Das religiöse Leben war vielfältig: Gebet, Fasten, Almosengeben, Totengedenkmessen, Bitt- und Abendgottesdienste sind aus der Vita überliefert.

Eugippius begnügte sich zwar mit zumeist recht vagen geographischen Angaben, markiert aber den Zeitpunkt von Severins erstmaligem Auftreten in unserem Gebiet mit einem wahrlich populären Namen: „Zu der Zeit, als der Hunnenkönig Attila verstarb“. Also um 453/454 nach Christi!

Severin bekleidete selbst kein Amt, sondern scheint auch nach Klostergründungen weiter als einfacher Mönch gelebt zu haben. Er betätigte sich als Mahner, Helfer und Seelsorger, setzte sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein und organisierte Lebensmittel- und Kleiderlieferungen. In den Jahren 469/470 erlangte er von Germanen sogar die Freilassung römischer Kriegsgefangener. Severin war einfach zur Stelle, wo man ihn brauchte.

Die Gestalt des hl. Severin beschäftigte schon immer Literaten und Historiker. Vieles ist bisher publiziert worden. Im Jahre 1982 widmete Oberösterreich dem Heiligen sogar eine eigene Landesausstellung. Was bisher noch nicht dargelegt worden ist, ist der Bezug von Sankt Severin zu unserem Dunkelsteinerwald. Vereinfacht könnte man sagen: der Heilige lebte in Mautern und ist auf seinen vielen Reisen somit er auch über unseren Boden gegangen. Das ist unbestritten richtig.

Lesen Sie im Teil II: “”Was enthüllt die eigentlich die „Vita s. Severini“?

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“Highuacht und aufgschriebm” – Das ultimative Mundartlexikon für Niederösterreich

January 31st, 2012

Ab sofort besteht für Freunde der niederösterreichischen Mundart kein Grund mehr zum “treama”, denn mit der Neu-Veröffentlichung des Buches “Highuacht und aufgschriebm” wird der Autor Fritz Renner auch dem “zwidersten” Mundartkenner ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Erfreut und überrascht vom Erfolg der ersten Ausgabe seines Erstlingswerks, machte sich der umtriebige Mundartforscher Fritz Renner auf die Spur nach weiteren Mundart-Begriffen und legt mit der aktuellen Ausgabe von “Highuacht und aufgschriebm” (Dez. 2011) das ultimative Dialektlexikon für den Raum Niederösterreich vor. Dabei geniesst der Forscher nicht nur den Respekt seiner Kollegen, sondern auch die Anerkennung der Fachwelt.

"Highuacht und aufgschriebm" - Das ultimative Mundartlexikon von Fritz Renner ist als stark erweiterte Neuauflage erschienener

Mit der stark erweiterten und überarbeiteten zweiten Ausgabe ist es dem sympathischen Staasdorfer gelungen sein Erstlingswerk um 600 Seiten zu erweitern. Bei seiner Feldforschung hat er längst verschollene Sprüche ebenso wieder ans Tageslicht gefördert, wie auch die schon nahezu unbekannte Sprache der “Wossaleut” wieder entdeckt.

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass die Neuauflage des Werkes “Highuacht und aufgschriebm” nun zum Kanon der großen österreichischen Mundartbücher gehört und neben seiner Funktion als Sprachmusuem auch die Menschen wieder animieren soll, die ihnen eigene Sprache ihrer Region neu zu entdecken und auch zu verwenden. Das Buch ist online beim Autor erhältlich – Seine Webseite lautet: http://noe-mundart.at

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Der heilige Wolfgang und die Spatzen – ein Sagenfaksimile aus 1926

January 2nd, 2012

Heute möchten wir Ihnen ein Faksimile aus einem über 80 Jahre altem Buch präsentieren. Dieses Buch ist im Jahre 1926 in Krems erschienen und enthält insgesamt 106, teils heute völlig unbekannte Sagen aus der Region Wachau, die ja zumindest mit ihrem rechten Ufer Bestandteil der Region Dunkelsteinerwald ist.

Die Sage mit dem Titel “Der heilige Wolfgang und die Spatzen” hat eine interessante und auch amüsante Erklärung für die angebliche Absenz der Spatzen (auch Sperlinge genannt) im Wolfsbachtal zum Inhalt. Am besten Sie lesen hier selbst.

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Nach dem heiligen Wolfgang, dessen missionarisches Wirken sich im 9. Jahrhundert von Regensburg über Prag bis nach Ungarn hinzog, sind im Dunkelsteinerwald auch noch einige andere Dinge benannt, die wir hier nach und nach beleuchten werden. Wenn auch Sie über ein seltenes Buch oder Dokument der Region verfügen und dies zur Verfügung stellen wollen, dann wenden Sie sich bitte unter unserer Mailadresse an das Redaktionsteam.

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“Die drei Schwestern in der Christnacht” – eine unheimliche Weihnachtssage

December 26th, 2011

Eine Weihnachtssage der “anderen Art” aus der Region Dunkelsteinerwald ist die Sage von den drei Schwestern in der Christnacht. Wir möchten Ihnen hier die kurze Version dieser Sage aus dem Buch “Von Palmbuschen und Pilgerscharen” von Lucia Haselböck im Original präsentieren.

Kurzinterpretation der dunkelsteinerwald.net-Redaktion: Die Sage von den drei Schwestern in der Christnacht ist vom Typus her als “dämonologische” Sage (auch “Teufelssage”) einzustufen, da sie sich von der Begegnung der Menschen mit dem Bösen – hier in der Form des Teufels nährt. Die dahinterstehende Motivik ist die des Frevels, der gesühnt werden muss. Im Gegensatz zu anderen Sagen wird hier der Frevel allerdings ohne dauerhafte Folgen gesühnt. Durch die Tatsache, dass die Schwestern am Ende ohne dauerhafte Folgen davonkommen, erfüllt diese Sage auch eine pädagogischen Zweck. Dieser wird noch durch die folgenden Tatsachen unterstrichen…

Von der Koinzidenz zur grausamen Konsequenz
Interessant in dieser dichten Geschichte ist auch die Tatsache, dass hier einerseits eine Parallelisierung in Form der Koinzidenz von der Wandlung in der Kirche und dem Herunterfallen der Spielkarte vorkommt. Dies setzt nicht nur einen allwissenden sondern auch einen moralisch einwandfreien Erzähler voraus. Der frevelhafte Vorgang des Kartenspielens wird dann auch sogleich gesühnt – nämlich in Form der drei Pferdefüsse. Hier ist auch bemerkenswert, dass für jede Schwester offenbar ein Pferdefuss erscheint und neben der Spiegelung der Anzahl der Akteure auch den übernatürlichen Charakter des Geschehens illustriert.

Die rettende Kraft des Gebetes aus Sicht der Sage
Dass die drei Schwestern sich nach den vergeblichen Hilferufen auch einen der archaischen bzw. volktümlichen Kernwert eines Gebetes entsinnen – nämlich der Abwendung des Bösen, lässt sie letzten Endes mit dem Schrecken davonkommen. Der dramatisch geschilderte Abgang der drei einzelnen Pferdefüsse mit dem hinterlassenen Gestank lässt nun auch den letzten möglichen Zweifel des Rezipienten verschwinden, was mit dem Nachsatz “Es war der Teufel” auch unmissverständlich dargelegt wird.

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Weihnachten – vom Kult zum Superstar wider Willen

December 8th, 2011

Für die einen ein Reizwort, für die anderen der Höhepunkt des Jahres, spaltet Weihnachten die Gemüter der modernen Gesellschaft im 21. Jahrhundert wie kein anderes Ereignis im Jahreslauf. Abseits des „Big Business“  sind dabei die historischen Wurzeln der Zeit rund um das heutige Weihnachten, deren Ursprung schon auf die vorchristliche Zeit zurückreicht, interessant.

Das höchste Fest des Jahres – wenn auch unfreiwillig
Betrachtet man Weihnachten als “Höhepunkt” des Jahres oder gar als wichtigstes kirchliches Fest, so kommt dieses Fest eher unfreiwillig zu dieser Ehre. Wenn auch Weihnachten als das Geburtsfest des Erlösers Jesus Christus gefeiert, stammt dennoch der Kern des christlichen Glaubens aus den dem österlichen Geschehen – also dem Tod und der Wiederauferstehung Jesu.

Nichtsdestotrotz ist die „ gesellschaftliche Größe“ von Weihnachten mit keinem theologischen Argument schmälerbar, da mit der Zeit rund um den kürzesten Tag des Jahres neben der kirchlichen Bedeutung auch immer noch vorreligiöse Reste mitschwingen. Zwar könnte man die vorreligiösen Aspekte der Osterzeit ins Treffen bringen – dennoch ist Weihnachten das in unseren Breiten mit mehr Aufwand gefeierte Fest.

Authentisches BrauchtumZwischen Kult und Religion
Irgendwo angesiedelt zwischen den Ur-Formen und den modernen Wegen, das Weihnachtsfest zu begehen, ist dabei das zum Großteil schon verlorengegangene Brauchtum in der Kernregion Niederösterreichs, der Region Dunkelsteinerwald, als Forschungsobjekt hochinteressant, da das Brauchtum unserer Region im Vergleich zu anderen Gegenden aufgrund seines hohen Grades an Authentizität viele Aspekte noch unverfälscht in sich trägt.

Alte Rituale und moderner „Zauber“ – alles eins?
Betrachtet man zum Beispiel die rituell-magischen Aspekte der sogenannten Rauhnächte zwischen dem 21. Dezember, der Thomasnacht, und dem 6. Jänner, so kommt man auf das sogenannte Lösseln in der längsten Nacht des Jahres, der sogenannten Thomasnacht. Dies diente dazu, die Zukunft zu beeinflussen und wurde mit dem Ritual des „Bettstaffeltretens“ und dem Aufsagen eines bestimmten Spruches benutzt, um sich (s)einen Liebsten herbeizuzaubern.

In der Thomasnacht stellt sich eine Frau nach Mitternacht nackt mit dem Rücken zur Zimmertüre, die sie zuvor geöffnet hat. Während sie den Spruch: “Bettstaffel ich tritt dich, Heiliger Thomas ich bitt dich, lass mir erscheinen – den künftigen Meinen” murmelt, geht sie von der Türe in Richtung Bett, wo ein Spiegel aufgestellt ist, in dem sie nun das Gesicht ihres Zukünftigen sehen sollte. (Quelle: steiermark.at)

Ob es sich um die populären ‚Bestellungen ans Universum‘ [ein Buchtitel] oder um das Lösseln handelt, beides sind Ausprägungen eines rituell-magischen Denkens – einmal im modernen Gewand und einmal in traditioneller Form. Auch in den regionalen Sagenschatz hat die Weihnachtszeit Eingang gefunden, wie die „Sage der drei Schwestern“ oder „Die Toten in der Christmette“ beweisen. Diesen Sagen wollen wir uns im Rahmen der Weihnachtszeit jedoch noch genauer widmen.

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Der Wald – ein uraltes Symbol für das Unbewusste

November 28th, 2011

Der Wald, spielt in den religiösen Vorstellungen und auch im Volksaberglauben zahlreicher Völker eine bedeutende Rolle als heiliger und geheimnisvoller Bereich, in dem verschiedene Wesenheiten angesiedelt werden. Diese Wesenheiten sind je nach Kultur und Region gute und böse Götter, Geister und Dämonen, wilde Männer, Holz-, Moos- und Waldweiblein, Feen und vieles mehr.

Das Herder Lexikon “Symbole” schreibt: “Als Ort der Abgeschiedenheit vom Treiben der Welt ist er ebenso wie die Wüste ein Aufenthaltsort, der von Asketen und Eremiten gesucht wird. Insofern ist er auch ein Symbol für geistige Konzentration und Innerlichkeit”.

Symbolik des Waldes in der Psychoanalyse

Psychoanalytisch betrachtet gilt der Wald gilt auch als Symbol für das Unbewusste. Das wird unter anderem in der Methode des katathymen Bilderlebens deutlich. Dieses psychotherapeutische Verfahren, weist dem Waldrand eine zentrale Bedeutung zu. Bei dieser Imaginationsmethode wird die Vorstellung dahin gelenkt, dass man sich vom offenen Gelände her auf einen Waldrand zu bewegt und darauf wartet, welche Gestalten, Phänomene aus dem Wald heraustreten. Der Wald wird zu dem Ort, aus dem eigene unbewusste Prozesse ans Licht kommen und damit einer Begegnung und Bearbeitung zugänglich werden.

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