Aus den Erinnerungen der Herrschaftsköchin Johanna Neubauer (Teil 1)

August 3rd, 2010

Dienstboten und Herrschaftsköchinnen spielen und spielten in vielen Filmen und Theaterstücken eine wesentliche Rolle. Das Bild dieses Berufstandes hat sich dadurch im Laufe der Jahre sicher verklärt. Wie es tatsächlich um diese Bediensteten bestellt war soll am Beispiel von Johanna Neubauer vermittelt werden.

Selten sind jedoch eigene Lebensbeschreibungen aus diesen vergangenen Epochen. Die meisten Leute hatten halt weder Zeit noch den inneren Antrieb für sich selbst oder für Ihre Familie aufzuschreiben, was ihnen im Dasein begegnet war und welche Wandlungen sie in ihrer Umgebung erlebt hatten.

Darin ist unsere Herrschaftsköchin Johanna Neubauer aus Enikelberg keine Ausnahme. Sie selbst hat über ihr Leben keine Aufzeichnungen geführt, sondern sie hat einfach die ihr zugegangenen Briefe, Ansichtskarten, Rezepte und Menükarten gesammelt. Gerade diese Unterlagen, zu einem Puzzle zusammengesetzt, machen das Leben von damals sehr anschaulich. Heute wird die Berufsbezeichnung Herrschaftsköchin unweigerlich mit der guten alten Zeit verbunden, einer Zeit, die für eine Köchin – wenn auch im fürstlichen Hause – nicht immer leicht war. Denn ein Dienstbote und eine Herrschaftsköchin gehörte rechtlich zu den Dienstboten, hatte „sittlich, treu, ehrlich, fleissig, geschickt und willig“ zu sein. Dies wiederum wurde von der „gnädigen Frau“ mit Adlerblicken überwacht.

Gallerie an Erinnerungsstücken von Frau Johanna Neubauer

Johanna Neubauer

Johanna Neubauer wurde am 10. Mai 1882 in Enikelberg geboren. Ihre Eltern arbeiteten als Taglöhner im Gutshof zu Goldegg beim Fürsten von Auersperg. Für unser junges Fräulein Neubauer stand gar nicht zur Diskussion, womit sie einmal ihr Brot verdienen würde. Sie wollte „in den Dienst gehen“, wie man damals sagte, in einem Schloss oder Palais wohnen um an fürstlichem Glanz teilhaben zu können. Nachdem sie kurzfristig in einer Milchverschleißstelle im 9. Wiener Gemeindebezirk eine Beschäftigung gefunden hatte, trat sie 1905 als Küchenmädchen in die Dienste des Prinzen Alfred von Lichtenstein.

Ihre Arbeitsstätte war nun das Palais Lichtenstein in der Alserbachstrasse und dann fallweise, je nach Jahreszeit, das Schloss Hollenegg und das Schloss Frauenthal bei Deutschlandsberg (Steiermark). Besonders beeindruckt war unser Küchenmädchen von der prachtvollen Innenausstattung des Schlosses Hollenegg, das die Fürsten von Lichtenstein aus anderen Besitzungen weitgehend ergänzt hatten. Über Arbeitsmangel hatte das fürstlich-lichtensteinische Küchenpersonal nicht zu klagen. Noble Bankette mit raffinierten Menüs waren an der Tagesordnung. So war 1906 die feierliche Nachprimiz seiner Durchlaucht Prinz Georg im Schloss Hollenegg ein besonderer Höhepunkt. 70 Herrschaften und Geistliche, “die kaum mehr zu zählen waren“, mussten bewirtet werden. Denn noch zu Beginn unseres Jahrhunderts ging den Gaumenfreuden unweigerlich stundenlange Arbeit voraus.

An einfachen Gerichten soll die Mühe und Plage dargestellt werden: Wer zum Schalerl Kaffee aus selbstgerösteten und handgeriebenen Bohnen etwas Süßes wollte, musste rühren und walken. Die Rezepte verraten es eindeutig – zuerst wurde eine Stunde Butter, Zucker und Dotter gerührt, dann kamen die anderen Zutaten dazu und wieder hieß es eine Stunde rühren. Mit der Verpflichtung die leiblichen Genüsse in immer größerer Auswahl und mit besonderer Raffinesse zu liefern, versuchten die Herrschaftsküchen dem Prunkbedürfnis der obersten Stände nachzukommen. Anhand der selbstgeschriebenen Kochbücher des Küchenmädchens Neubauer kommt dies zum Ausdruck. Fortsetzung folgt

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Herrn August Pachschwöll aus Gabersdorf

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Die Sprache der Jenischen – ein kleines Wörterbuch (Teil 1 – A bis G)

July 27th, 2010

Vor einiger Zeit haben wir in einem Artikel uns mit der im Raum Dunkelsteinerwald ansässigen Volksgruppe der Jenischen befasst.

Ein faszinierender und zugleich sehr vielschichtiger Aspekt der langen Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe, der wir uns natürlich noch ausführlicher widmen wollen, ist die Entstehung und Verwendung von speziellen Ausdrücken, die sich über lange Zeit entwickelt hat. Was früher nur unter dem Begriff “Sitzenthalerisch” (benannt nach einem an dem sich Mitglieder dieser Volksgruppe niedergelassen haben) bekannt war, ist heute etwas mehr korrekt unter der Bezeichnung “Jenischer Dialekt” oder “Das Jenische” geläufig.

Diese aus verschiedenen Sprachen entlehnten Termini haben natürlich auch das Interesse von Sprachwissenschaftlern und Heimatforschern geweckt. Allen voran sei hier Franz Jansky genannt, der sich hier in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat.

Von der Geheimsprache zur Kultsprache

Was früher nur die sprachliche Eigenheit der Mitglieder ausgemacht hat, hat vor allem in den letzen Jahrzehnten auch unter die Sprache der Jugendlichen im Raum Loosdorf stark beeinflusst und identitätsgebend gewirkt. Begriffe, die in 10 Kilometer Enfernung von Loosdorf von manchen Jugendlichen nicht mehr verstanden werden, sind im Raum um Loosdorf richtiggehend zu Kultausdrücken avanciert.

Das hier von uns zur Verfügung gestellte Jenisch Wörterbuch (beginnend mit dem Teil 1 von A bis G) befindet sich nunmehr seit über 10 Jahren in unserem Archiv und kann leider nicht mehr direkt einem Urheber zugeordnet werden. Wir gehen aber aus, dass es sich hier um die zur damaligen Zeit online verfügbaren Version des Jenisch-Wörterbuches von Franz Jansky (seine Publikation zu diesem Thema: Noppi Gadschi – Jenisch Baaln, Jenisch in Loosdorf, 1991) aus Loosdorf handelt.

[Download als .pdf] Das Jenisch Wörterbuch – Teil 1 von 3 – A bis G

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Der keltische Steinkreis von Geyersberg – ein Videoreport

July 15th, 2010

Wir haben für Sie den keltischen Steinkreis von Geyersberg besucht. Dieser Steinkreis im Dunkelsteinerwald (Niederösterreich) ist die masstabgestreue Nachbildung eines keltischen Steinkreises, wie es auch Stonehenge war. Keltische Kultplätze werden auch Nemeton genannt, wobei ihre genaue Bedeutung nicht restlos geklärt ist.

Heutzutage werden diese Orte von vielen Menschen auch als Kraftort angesehen und besucht. Dieser Steinkreis wurde 1989 von Prof. Wilhelm Cerveny errichtet und kann ganzjährig besucht werden. Wir werden uns dem Steinkreis in einem unserer nächsten Beiträge noch ausführlicher widmen. Prof. Cerveny ist auch der Autor des Buches “Der Dunkelsteinerwald – Mosaik einer Landschaft” – einem Buch, das wir schon einmal näher betrachtet haben. Erhältlich ist dieses Buch unter anderem bei der ARGE Dunkelsteinerwald.

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“Die tragische Geschichte des Gotteslästerers Michael Schöberl” – Rechtssprechung und Psychiatrie einst und jetzt

July 8th, 2010

Die “Brücke”, das Mitteilungsblatt der Pfarre Melk, veröffentlichte eine Geschichte mit dem Titel “Die tragische Geschichte des Gotteslästerers Michael I. Schöberl” beleuchtet auf illustrative Weise das damalige Rechtsverständnis und den Stand der psychiatrisch/psychologischen Kenntnisse der im 18. Jahrhundert lebenden Menschen.

Der offenbar unter schon länger währenden unglücklichen Umständen vom Schicksal der Naturgewalten getroffene Michael Schöberl aus Pielach des Jahres 1732 haderte mit Gott und der Welt und begeht dabei Gotteslästerung. Nach einem Bußgang nach Maria Taferl schreitet die Obrigkeit ein und verurteilt den Lästerer zum Tode. Interessant ist dabei die Diagnose “Melancholei ex sanguine“, die nach heutigen Begriffen wohl eher als “Posttraumatische Belastungsstörung“, begünstigt durch prädisponierende Faktoren, werden würde. Nach heutigen Begriffen beachtenswert auch der Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Lästerung und der Mondphase (Neumond). Letztenendes einigt man sich auf die Diagnose “Melancholia hipocontriaca”, nach heutigen Begriffen wohl am ehesten als “Neurotische Depression” oder “Major Depression” anzusehen wäre.

Was das Rechtsverständnis betrifft, ist die Todesstrafe für Gotteslästerung nach damaligen Gesetz für uns heute unverständlich, zeigt aber ganz klar dass Staat und Kirche als Einheit agierten. Die reguläre Strafe, nämlich die Anwendung von glühenden Zangen, etc. blieb dem armen Mann erspart. Betrachtet man diese Tat vom heutigen Rechtsstandpunkt, so ist diese – wenn überhaupt – maximal nach dem § 188 des StGB, nämlich der “Herabwürdigung religiöser Lehren” und einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten zu bestrafen.

Quelle: Die Brücke (Nr. 161), Mitteilungsblatt der Pfarre Melk – Ausgabe Juni – September 2008.

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Das Jenische – Verständigungsmittel einer verdrängten Kultur (Teil 2)

July 1st, 2010

Der zweite Teil des hier wiedergegebenen Artikels stammt von Manfred Wieninger und ist im EXTRA Lexikon der Wiener Zeitung am Freitag, den 10. September 2004 erstmals erschienen.

“Denn die tiefe Abneigung, ja der Hass der Obrigkeiten auf die umherziehenden und damit der staatlichen Kontrolle kaum zu unterziehenden Jenischen ist keine Erfindung der NS-Ära. 1857 etwa richtete das k. k. Bezirksamt Melk eine Denkschrift an die “hohe Staatsverwaltung” und forderte darin nichts weniger als die Auflösung der damaligen Pfarrgemeinde Sitzenthal bei Loosdorf und die Vertreibung ihrer jenischen Bewohner: “Der Existenz dieser lebensunfähigen Gemeinde Sitzenthal in ihrerjetzigen Gestaltung [ist] ein Ende zu machen. Wenn an der Stelle dieser beinahe heidnischen Vagabundenhorde das Dorf von wenigen, aber fleißigen Arbeiter-Familien bewohnt wäre, welche reichlichen Erwerb fänden, so würde dieses Dorf statt einer Landplage eine Wohltat für unsere an fleißigen Handarbeitern ohnedies großen Mangel leidende Gegend (sein).”

Jenische im Jahr 1928 (Schweiz) - (c) Wikipedia
Jenische im Jahr 1928 in der Schweiz – (c) Wikipedia

Dieses Dokument des Hasses – das 1865 in den “Blättern für Landeskunde von Nieder-Oesterreich” publiziert worden ist, was als Zustimmung maßgeblicher Schichten zu den wüsten Ausführungen der beamteten Autoren gedeutet werden kann – richtete sich mit aller Schärfe gegen die heutige Loosdorfer Katastralgemeinde Sitzenthal: “Das Dorf zählt 21, größtentheils elende Hütten und Häuser, und außer den paar Quadratklaftern Grund, worauf dieselben erbaut sind, gehört dazu auch nicht das kleinste Stück Hausgrundbesitz. Dennoch kann man, so unglaublich dies scheinen mag, die jeweilig anwesende Bevölkerung von Sitzenthal auf beinahe 200 Seelen annehmen, während die Zahl der in diese Gemeinde zuständigen, welche aber wegen des vagabundierenden Lebens derselben schwer zu eruieren ist, gegen 600 Köpfe betragen soll.”

“Schwer zu eruieren” für die Obrigkeit blieben die Jenischen bis heute, misstrauisch gegen die Gadschi, die Nicht-Jenischen, die nie auch nur das geringste Verständnis für die Mühen eines Leben auf der Landstraße aufbringen konnten. Auch die in gesicherter, bürgerlicher Existenz lebenden, in der geschützten Werkstätte ihres Bezirksamtes werkenden Melker Juristen hatten für die gänzlich andere Lebensform nur Verachtung und Verleumdung übrig: “(. . .) fast die ganze Bevölkerung besteht aus herumziehenden Strazzensammlern, ein Geschäft, welches ziemlich einträglich sein könnte. Da diese Leute jedoch von Kindheit an, an ein müßiges Vagabundenleben gewöhnt sind, so betreiben sie auch dieses Geschäft nur so lange, bis sie etwas Geld verdient haben, womit sie dann nach Hause zurückkehren, und sich, so lange das Geld reicht, der gränzenlosesten Faulheit überlassen.” Im Übrigen dürfte mit dem mühseligen Sammeln von Lumpen noch keiner wirklich wohlhabend geworden sein, einträglicher war der gehobene Verwaltungsdienst in einer Bezirkshauptmannschaft allemal.

Zwangsmaßnahmen

Gingen die NS-Behörden gegen die Jenischen vor allem auf der Basis ihrer verworrenen und pseudowissenschaftlichen Rassenlehre vor, so schützte die k. k. Obrigkeit vor allem religiös-moralische Argumente vor, um Zwangsmaßnahmen gegen die jenischen Untertanen ergreifen zu können: “Wie der Herr Pfarrer von Loosdorf als Seelsorger bezeugen kann, ist in Sitzenthal die Zahl unehelicher Kinder bei weitem überwiegend, Konkubinate gibt es bei weitem mehr als Ehen, ja es gibt mehrere Beispiele von 2 bis 3 unehelichen Generationen. Dabei kommen häufig blutschänderische Verhältnisse in den nächsten Verwandschaftsgraden vor. Die meist unehelichen Kinder werden von ihren lüderlichen Eltern von Geburt an in der Welt herumgeschleppt; von Schul- und Kirchenbesuch oder von Religionsunterricht ist fast durchgehends keine Rede. In gänzlicher Unwissenheit, unter den empörendsten Beispielen von Roheit und Unsittlichkeit wachsen diese Kinder auf, und werden von ihren Eltern bloß in Betteln und Stelen unterrichtet.”

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Die Werbung und der Krieg (Teil 1)

June 25th, 2010

Ein interessantes Beispiel, wie sich Werbung zwangsweise den Kriegsnotwendigkeiten in der Zeit zwischen 1939 und 1945 beugen muss und versucht, sowohl dem “Volke” wie auch sich selbst zu nutzen, sollen die folgenden drei Werbeausschnitte aus der Zeitung “Der Volksbote” aus dem Jahr 1943 zeigen.

Der Heimatbote - 1943 - Ausgabe Region Melk - Dunkelsteinerwald - Wachau

Der Kohlenklau – eine Kunstfigur im Dienst des Krieges
Die erste Werbung bedient sich der Kunstfigur des “Kohlenklaus”. Der Kohlenklau ist eine populäre Kunstfigur aus der Zeit des Krieges und stellt die personifizierte Form fahrlässiger Verschwendung dar. Die Figur des Kohlenklaus sollte mit Hilfe dieser einprägsamen Figur in den Jahren ab 1942 zum bewussteren Umgang mit Energie (zu dieser Zeit vornehmlich mit Kohle) ermahnen. Die Zeichnung der Figur lässt eine Nähe zum “Schwarzen Mann” feststellen – einer volkstümlichen Figur, mit der wir uns noch näher beschäftigen werden.

Die zweite Werbung verbindet die Funktion eines Ratgebers mit der positiven Konnotation zum Ratgeber selbst (in diesem Fall Osram-Glühbirnen) und soll auf diese Weise vernünftigen Umgang und Markentreue vereinen. Auch im 21. Jahrhundert basieren leben diese – wohl aus der Not geborenen – Ideen weiter und werden vor allem im Bereich der Fast Moving Consumer Goods (FCMG), wie auch der “Beauty”-Branche verwendet. Wieviele Schönheitstipps oder Trendtipps sind laut Meinung der Werber wohl nur mit Ihrem Produkt zu verwirklichen?

Die dritte Werbung für das Waschmittel Persil verbindet die “Wäscheschäden” geschickt mit Ihrem Produkt und bietet auch in den ressourcenmässig knapp beschiedenen Zeiten sogar Informationsfolder (Lehrschrift) zur Bestellung an. Als einer der Nutzniesser der damaligen Zwangsarbeit kämpfte der deutsche Parade-Konzern Henkel auch Jahrzehnte nach dem Krieg noch immer mit der Zwangsarbeiter-Thematik und damit um seinen “sauberen” Ruf.

Der Dunkelsteinerwald.net-Literaturtipp zu diesem Beitrag

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Niederösterreich – Das Land der vielen Völker (Teil 1)

June 21st, 2010

Man nehme eine Handvoll Römer, mische dazu Kelten und Germanen und verrühre das Ganze ordentlich. Anschließend je eine Prise Hunne, Aware, Magyar und Slawe beigeben. Nach dem Köcheln mit einem kräftigen Schuss Bajuwaren aufgießen. Je nach Geschmack kann mit weiteren europäischen Ethnien gewürzt werden – und fertig ist der Niederösterreicher.

„Niederösterreich ist seit Jahrtausenden eine Grenzzone. Hier kommt alles zusammen”, sagt Karl Brunner, Direktor des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung in Wien. Eine Spurensuche auf Grundlage schriftlicher Quellen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Als die Römer vor 2000 Jahren ihre Lager in Carnuntum aufschlagen, sind sie in guter Gesellschaft. Nördlich der Donau haben es sich Germanen gemütlich gemacht, südlich davon Kelten. Schon bald kristallisiert sich eine „gemeinsame” Sprache heraus: Latein. „Ein Dialekt. Und zwar in einer grauenhaften Form”, schmunzelt Brunner.

Völker in Niederösterreich - Teil 1 - (c) 2004, Kurier

Fremdarbeiter
Die Einflusszone der Römer ist breit.. Nicht nur in Carnuntum sind sie präsent. Sie kontrollieren auch die gesamte Donau. „Das Militär bringt Geld und Leute”, erklärt Brunnen Nur die militärische und politi­sche Expertenschicht kommt aus Italien. Im Heer haben Germanen als „Fremdarbeiter” angeheuert. Vor den Toren der Militärlager siedeln Händler aus allen Ecken Europas – schließlich gibt es hier etwas zu verdienen.

Erst um 500 befindet sich diese römische Provinzgesellschaft in Auflösung. Der Einfall der Hunnen aus dem Osten (aus dem heutigen Kirgisien und der Mongolei) legt den Grundstein für die Völkerwanderung. Zu dem Zeitpunkt sind schon Goten und eine Menge anderer Völker durch- und vorbeigezogen und haben ihre biologischen Spuren hinterlassen. NÖ dient zu Zeiten der Völkerwanderung hauptsächlich als Durchzugsgebiet. „Wenn’s kein Wirtshaus gibt, bleibt man halt nicht stehen”, erklärt Brunner. Heruler, Langobarden und Ostgoten herrschen im Land – von dichter Besiedelung ist aber keine Spur.

Quelle: Printausgabe des Kurier (2004)

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